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Statements aus der Tagung "Zusammenarbeit und Wettbewerb", 25./26. März 2011

"Die Grenzen der Kooperation sind eindeutig fließend"

Einblicke in die Podiumsdiskussion vom Samstag, den 26. 3. 2011, an der sechs Unternehmer und Freiberufler aus unterschiedlichen Branchen teilnahmen und über ihre persönlichen Erfahrungen sprachen.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion: v.l.n.r.: Schmitz-Mohr (Moderation), Armbruster, Weyer, Damm-Jonas, Januschewski, Kemmerling, Sander, Faubel LupeDie Teilnehmer der Podiumsdiskussion: v.l.n.r.: Schmitz-Mohr (Moderation), Armbruster, Weyer, Damm-Jonas, Januschewski, Kemmerling, Sander, Faubel

„Die Grenzen der Kooperation sind eindeutig fließend“ - diese Kernaussage stammte von Professor Dr. Hans-Joachim Leyrer, der in seinem eröffnenden Impulsvortrag „Warum arbeiten Selbständige zusammen?“ ökonomische und nicht ökonomische Motive für wirtschaftliche Kooperationen vortrug.

Podiumsdiskussion mit sechs Vertretern aus Branchen der mittelständischen Wirtschaft
Anschließend kamen aus der Praxis sechs Vertreter aus unterschiedlichen Branchen der mittelständischen Wirtschaft (Banken, Handwerk, Gesundheitswesen, Kleinunternehmer, Genossenschaftswesen) und ein Vertreter der evangelischen Kirche zur abschließenden Diskussion auf dem Podium in der Evangelischen Akademie im Rheinland zusammen:

  • Rainer Fabel, Landwirt aus Suhlendorf
  • Heinz-Josef Kemmerling vom Fachverband Tischlerhandwerk NRW, Dortmund
  • Dr. Harald Januschewski, Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhauses Bergisch Gladbach
  • Carl-Dietrich Sander, Diplom-Kaufmann und Unternehmer aus, Neuss
  • Kai Damm-Jonas, Selbstständiger aus Düsseldorf
  • Dr. Paul Armbruster von der Internationalen Raiffeisen- Union, Bonn 
  • und Pfarrer Christian Weyer, Superintendent des Kirchenkreises Saar-West

Die Moderation der Podiumsdiskussion hatte Kerstin Schmitz-Mohr, Vorsitzende von INITIATIVE e.V., Regionalgruppe Rheinland-Nord.

Wie erleben die Podiumsteilnehmer Kooperationen in ihrem beruflichen Alltag - persönliche Statements
Nachdem sich die Podiumsteilnehmer mit Werdegang und beruflichen Tätigkeiten vorgestellt hatten, waren die Tagungsteilnehmer und Teilnehmerinnen dann höchst gespannt auf ganz persönliche Statements:

  • Wie erlebt jeder von ihnen bestehende Kooperationen?
  • Wie sieht und sah „gelebte“ Kooperation aus, wie „fühlt“ man sich dabei?
  • Wird Kooperation empfohlen oder eher davon abgeraten, weil sie möglicherweise zu riskant ist?
  • Welche praktischen Erfahrungen haben die Podiumsteilnehmer gemacht?

Der verschärfte wirtschaftliche Wettbewerb fördert Kooperationen
Alle Teilnehmer stimmten überein:
Wenn eine Kooperation eingegangen wird, sei es in einem Gemeinschaftsunternehmen bis hin zu umfangreichen Abstimmungen auf vertraglicher Basis, geschieht dies oft aus Gründen eines verschärften wirtschaftlichen Wettbewerbs: Man möchte den Konkurrenten „zuvor kommen“.

  • Rainer Fabel, Landwirt und Energiewirt, Begründer der Fabel KG und Elke & Rainer Fabel GbR sowie geschäftsführender Gesellschafter einer GmbH, nannte dies einen „freiwilligen Zwang“, der oft bei der Suche nach adäquaten Geschäftspartnern am Anfang steht.
  • Dem pflichtete Dr. Harald Januschewski, der als Geschäftsführer des Ev. Krankenhauses Bergisch-Gladbach eine Verbundlösung mit weiteren evangelischen Krankenhäusern vorantreiben wird, unumwunden bei. Gerade im Gesundheitswesen herrsche seit langem ein hoher Wettbewerb. Mittlerweile arbeite man sogar mit „unmittelbaren Konkurrenten“ zusammen, berichtete er. Wichtig sei, neben Fragen der Kostenreduzierung und Nutzung von Effizienz und Synergieeffekten, die langfristige Stabilisierung des Qualitätsstandards zum Wohle der Patienten.
  • Auch für Christian Weyer, Superintendent des Kirchenkreises Saar-West, lag die Hauptmotivation für Kooperation in der demographischen und wirtschaftlichen Entwicklung. Auch er befürwortete „im Prinzip“ die Gründung eines Verbundes für übergemeindlichen Einrichtungen nach der Zusammenlegung von Kirchenkreisen im Saarland im Jahre 2009.
  • „Kooperation kann ein Erfolgsfaktor sein, mit der Möglichkeit der Verbesserung eigener Stärken“, so Paul Armbruster, Bankkaufmann und Volkswirt, Leiter der Abteilung „Internationale Beziehungen“ im Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband.
  • Carl-Dietrich Sander, Bankexperte und freiberuflicher Unternehmer-Berater, legte – aus  seinen Erfahrungen im Krisenmanagement – ebenfalls besonderen Wert auf den entscheidenden Erfolgsfaktor „Mensch“ und die Anforderung an eine aktive, fortdauernde – oft auch kraft- und zeitaufwändige – Kommunikationsbereitschaft und -fähigkeit.
  • Heinz-Josef Kemmerling, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Geschäftsführer des Fachverbandes des Tischlerhandwerkes NRW, nahm die Kundenzufriedenheit und den Servicegedanken in den Blick. Vorbehaltlos befürwortete er bei kleinen und mittelständischen (Handwerks-)Betrieben die meistens erlebte vertrauensvolle, fast familiäre Zusammenarbeit („Man kennt sich!“, „Koordinieren und Zurufen“!). Vorteile sah er dabei auch in der effizienteren Außendarstellung der handwerklichen Leistungspalette für die Kunden.
  • Als Diplom-Designer und Berater hat Kai Damm-Jonas schon von „Natur aus“ ein relatives stabiles Netz von weiteren Dienstleistern im Grafik-Design-Bereich, die mit ihrem Know-how sein Portfolio ergänzen. So sei es möglich, dass der Kunde letztlich das gewünschte, bestmöglich Produkt für seine Zwecke erhalte.

Auf dem Podium herrschte grundsätzliche Einigkeit: Wenn eine Kooperation eingegangen wird, geschieht dies oft aus Gründen eines verschärften wirtschaftlichen Wettbewerbs. Die Chancen zur Optimierung der eigenen (wirtschaftlichen) Situation durch Kooperation prinzipiell sind prinzipiell gut.

Kooperationen:
wirtschaftlich-menschliche Beziehungen, die auch mit Risiken verbunden sind
Aber es herrschte auch ein hohes Problembewusstsein mit Blick auf ihre praktische Durchführung: Gerade weil Kooperation von Menschen eingegangen und getragen werden und immer auch das „Miteinander“ angesprochen ist, ist diese wirtschaftlich-menschliche Beziehung auch mit Risiken und einem möglichen Scheitern verbunden.

Wichtig:
Bei der Vorbereitung einer Kooperation die richtigen Fragen stellen

Doch viele Fragen kann man schon stellen und analysieren, bevor die Kooperation eingegangen wird:

  • Welches Verständnis habe ich von mir selber?
  • Welche Partner suche ich überhaupt aus, wer denkt ähnlich?
  • Welche Ziele und Visionen habe ich, wo wollen wir dann gemeinsam stehen?

Weitere Überlegungen können folgen:

  • Wer tritt in Vorleistung, wer gibt – gerade in einer Gründungsphase – die entscheidenden Impulse?
  • Sind mögliche Probleme der Nachfolge geregelt?
  • Wie verhalte ich mich Mitarbeitern und Kunden – auch in veränderten, vielleicht zunächst schwierigeren wirtschaftlichen Situationen – gegenüber?
  • Sind die finanziellen Vor- und Nachteile für die Partner langfristig ausgeglichen?
  • Welche „Unternehmenskultur bzw. -philosophie“ möchte ich pflegen?
  • Überhaupt: Welche Werte setzen wir gemeinsam um?

Grundlage für gelingende Kooperationen:
Konfliktfähigkeit, Kommunikationskompetenz, Glaubwürdigkeit 
So sind gerade an die eigene Person hohe ethische Herausforderungen gestellt: Verantwortungsbewusstsein, Konfliktfähigkeit, Kommunikationskompetenz und Überzeugungsstärke, ein „gesundes Erfahrungsbauchgefühl“ (Carl-Dietrich Sander), und ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit, aber auch die Fähigkeit zur Abgrenzung:

Verankert in einer christlichen Wertorientierung
Wenn es nicht mehr anders geht, kann selbst das Scheitern freundschaftlich vollzogen werden. Alle diese Fähigkeiten können in einer christlichen Werteorientierung verankert sein. Der christliche Glaube kann helfen, sich in jeder Gesprächs- und Handlungssituation ruhig auf sie zu besinnen und sie frei zu entfalten.

Peter Mörbel, Kerstin Schmitz-Mohr (Hg.): Zusammenarbeit und Wettbewerb (2011) LupePeter Mörbel, Kerstin Schmitz-Mohr (Hg.): Zusammenarbeit und Wettbewerb (2011)

Hinweis:
Dieser Beitrag dokumentiert die Podiumsdiskussion im Rahmen der Tagung "Zusammenarbeit und Wettbewerb. Kooperation als Erfolgsfaktor für selbstständige Unternehmer und Freiberufler" (25./26.3.2011).

Er wurde auch gemeinsam mit allen weiteren Referate und Beiträgen der Tagung in Buchform veröffentlicht. Dieser Tagungsband ist in der Akademiereihe "Begegnungen" erschienen:

Zusammenarbeit und Wettbewerb
Kooperation als Erfolgsfaktor für Selbstständige, Unternehmer und Freiberufler
Hg.: Peter Mörbel, Kerstin Schmitz-Mohr
(= Begegnungen 28)
Bonn 2011
ISBN 978-3-937621-35-7
9,00 Euro

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Die Publikation kann dann über den Buchhandel oder direkt bei der Akademie bezogen werden.
Bei Bestellungen bei der Akademie zzgl. Porto (Büchersendung)  

 

Zum Nachhören: Statements aus der Podiumsdiskussion

Überblick über die Reihenfolge der Statements im Podcast

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Dorothea A. Zügner, Wachtberg / 03.01.2016



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