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Foto: Die evangelische Matthäuskirche vor Banken -und Bürogebäuden in Frankfurt a.M. Foto: epd-bild. Thomas Lohnes Die evangelische Matthäuskirche vor Banken -und Bürogebäuden in Frankfurt a.M. Foto: epd-bild. Thomas Lohnes

Evangelische Sozialethik

Der Mensch: unverzichtbarer Produktionsfaktor und moralische Sollbruchstelle

In der Arbeitswelt ist der Mensch sowohl unverzichtbarer Produktivfaktor als auch moralische Sollbruchstelle. Evangelische Sozialethik kann mit dieser Mehrdeutigkeit umgehen. Sie geht aus von einem realistischen, widersprüchlichen Menschenbild: Der Mensch ist gerecht und Sünder zugleich, wie es Martin Luther in seiner Rechtfertigungslehre geschrieben hat.

Aus welchen verlässlichen Quellen schöpft unsere Gesellschaft die Ideale vom guten Leben?
Ökonomie kann kein „ethisches Vakuum“ postulieren. Wirtschaft geschieht nie in kultur- und wertfreien Räumen. Gewinne wie Verluste, Fortschritte wie Zerstörungen, Wertschöpfung wie auch Wertvernichtung müssen von Menschen verantwortet werden. Denn nur Menschen können wirtschaften, d.h. planvoll und flexibel, zielgerichtet, bedarfsorientiert und interessengeleitet kooperieren. Aus welchen verlässlichen Quellen schöpft unsere Gesellschaft ihre Ideale von gutem Leben, von sinnstiftender Arbeit und von nachhaltigem Wirtschaften?

Der "Faktor" Mensch im Wirtschaftsleben ist immer beides:
unverzichtbarer Produktivfaktor und moralische Sollbruchstelle

Das Gelingen der „Wirtschaft des Menschen“ (Eilert Herms) hängt ganz entscheidend von politischen, kulturellen und weltanschaulichen Voraussetzungen ab, die die Wirtschaft selber nicht herstellen kann und die sich einer „Bewertung“ mit den Methoden des Marktes entziehen. Wissen lässt sich „produzieren“ und „einkaufen“ - Bildung jedoch nicht. Regeln lassen sich durch Gesetze erzwingen - Verantwortung und Gewissen jedoch nicht. Opportunismus lässt sich durch finanzielle Anreize fördern - Integrität ist nicht käuflich. Obwohl alle Anstrengungen zu mehr Tugendhaftigkeit in der Wirtschaft derzeit höchste wirtschaftsethische und gesellschaftspolitische Wertschätzung genießen, obwohl Unternehmen viel Geld in Regelwerke für loyales und legales Verhalten im Unternehmen und am Arbeitsplatz, in sogenannte „Compliance“-Programme, stecken, bleibt der Faktor Mensch immer beides: unverzichtbarer Produktivfaktor und moralische Sollbruchstelle.

Evangelische Sozialethik kann die Spannungen zwischen
hoher Betriebskultur und der Wirklichkeit aushalten

Evangelische Sozialethik kann mit dieser Mehrdeutigkeit umgehen. Sie verfügt mit der anthropologischen, durch den Reformator Martin Luther geprägten Formel "Gerecht und Sünder zugleich" („simul justus ac peccator“) über ein theologisches Paradigma, das dazu beiträgt, Kontingenzerfahrungen („Es kommt anders, als geplant“) und Paradoxien - etwa die Spannung zwischen dem Anspruch einer hohen Betriebskultur und der Wirklichkeit - zu bewältigen, ohne in Schwarzweiß-Theorien oder radikalen Dualismen stecken zu bleiben.

Welches Menschenbild liegt unseren Wirtschaftskonzepten zugrunde?
Damit steht die Frage nach den Grundlagen des modernen Arbeitsethos in allen wirtschaftlichen Handlungsfeldern und auf allen Betriebsebenen im Raum. Welches Menschenbild liegt unseren Wirtschaftskonzepten zugrunde, für die die Freiheit des Einzelnen ebenso notwendig ist wie seine Einbindung in institutionelle Kontexte? Auch für die Bedingungen des wirtschaftlichen Handels gilt somit der von Luther formulierte unauflösliche Gegensatz: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“

Um das Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft zukunftsfest zu machen, müssen die Verantwortlichen kompromissfähig sein, global denken und die Folgen ihres Handelns realistisch einschätzen
Das Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft, das seine Wurzeln in der evangelischen Sozialethik hat, kann wohl am besten von Menschen zukunftsfest weiterentwickelt werden, die eine ganzheitliche Erziehung und umfassende Bildung genossen haben, die Kompromissfähigkeit als demokratische Tugend wertschätzen und nicht als Defizit beklagen, die das Denken in großen Zusammenhängen beherrschen und den Mut haben, die Folgen des eigenen Handelns mit im Blick zu behalten, auch dann, wenn kein Applaus zu erwarten ist.

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