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Foto: Die evangelische Matthäuskirche vor Banken -und Bürogebäuden in Frankfurt a.M. Foto: epd-bild. Thomas Lohnes Die evangelische Matthäuskirche vor Banken -und Bürogebäuden in Frankfurt a.M. Foto: epd-bild. Thomas Lohnes

Themenbereich Wirtschaft

Wirtschaft - Arbeitswelt - Sozialer Wandel

Wirtschaft, Arbeitswelt und Soziales sind drei gesellschaftliche Schlüsselfelder, die inhaltlich eng miteinander verbunden sind, oft auch in Wechselbeziehungen untereinander stehen. Die folgende Übersicht gibt Auskunft über Leitfragen und Themen, die sich aus kirchlich-theologischer und aus sozial- und wirtschaftsethischer Perspektive für den Bereich des menschlichen Wirtschaftens stellen.

Das Themenfeld "Wirtschaft - Arbeit - Soziales" ist in der Sozialethik und in der Wirtschaftsethik derzeit vor allem durch die folgenden Leitfragen bestimmt:

• Welche Rolle spielt der Staat in der Wirtschaft und auf welche sollte er zugunsten seiner Glaubwürdigkeit verzichten?

Rollen verschieben sich, Unterschiede weichen auf, Privates ist längst nicht mehr privat.
Neben der Entgrenzung der nationalen Wirtschaftsräume verschieben sich die Gewichte zwischen den vier Wirtschaftssektoren Produktion, Handel, Verwaltung und Dienstleistungen und der Politik.

Von der Politik werden ordnungspolitische Maßnahmen, werden Ausgleich und Steuerung erwartet. Doch sind Bund, Länder und Kommunen nicht selbst Geldgeber für ganze Branchen, z.B. durch die von ihnen gewährten Subventionen und Starthilfen?

In wachsendem Umfang sind staatliche Institutionen auch selbst unternehmerisch tätig. Die Bundesbank, die Landesbanken, die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die Deutsche Bahn, der VW-Konzern, Energieversorgungsunternehmen und so manches Entsorgungsunternehmen sind ganz oder zum großen Teil Eigentum von Bund, Ländern oder Kommunen. Die dort zu erwartenden Gewinne werden fest in den öffentlichen Haushaltsplänen eingeplant. Nicht selten betreibt der Staat „Lobbyismus von oben“. Welchen Sinn macht es, nach staatlichen Regulierungen marktwirtschaftlicher Fehlentwicklungen zu rufen, wenn der Staat ganz und gar kein ökonomisches „Neutrum“ ist, sondern massive Eigeninteressen vertritt, die dem Gemeinwohl nicht immer zuträglich sind?

• Welche Rolle spielen Kirche und Diakonie im Sozialstaat und seinen Versorgungs- und Vorsorgefeldern?

Politisch lassen sich Wirtschaftsprozesse nur begrenzt lenken und leiten. Lobbyorganisationen der Wirtschaft nehmen dagegen immer stärker Einfluss auf politische Prozesse, ohne dafür demokratisch legitimiert zu sein. Die Kirchen fordern hier zusammen mit anderen Akteuren der Zivilgesellschaft mehr Transparenz. Doch wie glaubwürdig ist diese Forderung, wenn die Kirchen selbst nur begrenzten Einblick in ihre eigenen Finanzstrukturen und Geschäftsbeziehungen gewähren und in Gestalt ihrer Kontaktbüros in Berlin und Brüssel selbst massiv Lobbyarbeit betreiben? Wo verläuft die Grenze zwischen legitimer Interessenvertretung, fachlich kompetenter Politikberatung und fragwürdiger Einflussnahme auf politische Entscheidungsträger?

• Vor welchen Herausforderungen steht die Arbeitswelt angesichts von zunehmender Digitalisierung, von Fachkräftemangel und einer hohen Zahl von Geringqualifizierten?

Die Digitalisierung im produzierenden Gewerbe wie im Dienstleistungsbereich stellt immer höhere Anforderungen an die berufliche Qualifikation von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Fachkräfteknappheit, Nachwuchsmangel einerseits und eine hohe Zahl von jungen Menschen ohne Abschluss oder ohne berufliche Qualifikation andererseits stellen allgemeinbildende Schulen und das System der Berufsausbildung vor hohe Herausforderungen. Kirchen sind in beiden Bereichen präsent und gewinnen Erfahrungen von hoher sozialpolitischer Bedeutung. Die Akademie vermittelt darum arbeitsweltbezogene Dialoge auch zwischen landeskirchlicher Sozialethik und anderen kirchlichen Arbeitsbereichen.

• Wie sieht verantwortete unternehmerische Freiheit heute aus?

Wirtschaft erfüllt ihren Zweck, wenn sie wie Politik, Kunst und Religion den Menschen zum besseren Leben dient. Unter den Bedingungen des Wettbewerbs entwickeln sich jedoch Binnenlogiken, die auf Marktbeherrschung zielen und den Dienstgedanken verdrängen.
Wie entwickelt sich unter diesen Bedingungen das unternehmerische Ethos? Was muss eine Unternehmerin oder ein Unternehmer beachten, wenn er seine Freiheitsspielräume erhalten oder wiedergewinnen will? Unternehmerischer Erfolg ist nie ausschließlich an nominellen Renditezuwächsen zu messen, sondern auch daran, ob man die Freude über den Erfolg des eigenen Unternehmens mit allen daran Beteiligten teilen kann und will.

• Wie gerecht werden Risiken und Gewinne zwischen Investoren, Eigentümern und abhängig Beschäftigten verteilt?

Wie verhält sich legitimer Eigennutz zum nicht weniger legitimen Gemeinwohlinteresse? Wie „privat“ ist die Privatwirtschaft in einer medialen Landschaft, in der unternehmerische Entscheidungen einer öffentlichen Beurteilung unterzogen werden, die unmittelbaren Einfluss auf Geschäftsprozesse haben kann? Welcher Stellenwert kommt kulturellen, spirituellen und ethischen Werten zu, die keiner produzieren und an Märkten handeln kann, die jedoch durch Marktprozesse zerstörbar sind?

Der Dialog zwischen Kirche und Wirtschaft erhält aus diesen Leitfragen
Impulse für die konkrete Arbeit

Aus diesen Leitfragen ergeben sich für die Organisationen und Einzelpersonen, die im Dialog zwischen Kirche und Wirtschaft engagiert sind, aktuelle Themen für ihre Arbeit. Als einer der Akteure beteiligt sich die Akademie an dieser Themenrecherche. Auf dieser Grundlage lädt sie gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern zu Netzwerktreffen und Veranstaltungen ein.

Themenfeld Wirtschaft in der Akademie:
Chancen zum Dialog zwischen ökonomischen Praktikern, Wissenschaftlern, Politikern und Konsumenten

Dabei geht es zum Beispiel um …

  • die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft und Herausforderungen der Wirtschaft- und Sozialpolitik u.a. durch Paradigmenwechsel wie derzeit die Veränderungen zur „Industrie 4.0“
  • die Suche nach optimalen nationalen Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches und sozial ausgewogenes Wirtschaften im europäischen Kontext und unter den Bedingungen der Globalisierung
  • Fragen einer individuellen Wirtschaftsethik (Moral Leadership) und um ethische Leitlinien der Betriebskultur, die sich unter die Begriffe der Corporate Governance bzw. Corporate Integrity fassen lassen, sowie um Fragen nach der Corporate Social Responsibility, der gesellschaftlichen Verantwortlichkeit von Unternehmen
  • die Einhaltung von gesetzlichen Leitlinien und freiwilligen Kodizes in Unternehmen, die unter dem Begriff der Compliance zusammengefasst werden. Zu diesem Spektrum gehören Aspekte wie Marktversagen, Wirtschaftskriminalität und Korruption ebenso wie präventive Strategien in Unternehmen, Wirtschaftsrecht und Wirtschaftspolitik
  • die (selbst-)kritische Reflexion kirchlicher Wirtschafts- und Ökonomie-Kritik und die Förderung des Dialogs von Verantwortungsträgern in Kirche, Unternehmen und Gewerkschaften
    die Verantwortung von Verbraucherinnen und Verbrauchern, ökofaire Beschaffungsstrategien
    die Perspektiven nachhaltiger ökonomischer Entwicklungen im Austausch zwischen Theologie, Ökonomie und Sozialwissenschaften

Themenfeld Arbeitswelt in der Akademie:
Chancen zum Dialog zwischen den Akteuren am Arbeitsmarkt

Dabei geht es zum Beispiel um …

  • den Wandel von Berufsanforderungen, Gesundheit am Arbeitsplatz und um die Zukunft der Arbeit unter den Bedingungen zunehmender Digitalisierung: Wie gestaltet sich „Gute Arbeit“ in der „Arbeit 4.0“?
  • Fragen der Beteiligungsgerechtigkeit in einer in Erwerbstätige und Erwerbslose gespaltenen Gesellschaft
    die Würdigung des Beitrags unbezahlter Arbeit in Erziehung, Betreuung, Pflege und öffentlichen Engagements
  • die Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt oder in menschenwürdige Formen öffentlich geförderter Beschäftigung
  • Armutsbekämpfung und die Resilienz (Belastbarkeit) der Grundsicherung
  • die Entwicklung einer neuen Kultur des Umgangs mit wirtschaftlichem und beruflichem Scheitern in der Leistungsgesellschaft
  • die Rolle der Gewerkschaften und deren Verhältnis zur Kirche als Arbeitgeberin
  • den Beitrag des Protestantismus zum Berufsverständnis und zur Arbeitskultur
  • die Notwendigkeit der Einhegung von Arbeit durch die Sonn- und Feiertagskultur, u.a. durch Sabbat-theologisch begründete notwendige Begrenzung von Erwerbs- und Konsumzwängen

Themenfeld Sozialer Wandel in der Akademie:
Chancen zum Dialog zwischen sozialpolitischen Akteuren, Sozialwissenschaften und evangelischer Sozialethik

Dabei geht es zum Beispiel um …

  • die wirtschaftlichen und sozialpolitischen Folgen des demographischen Umbruchs und die Generationensolidarität
  • die Herausforderungen der „Gesellschaft des langen Lebens“, den radikalen Wandel der Altersbilder und die unverzichtbaren Potenziale der älteren Generation
  • den gut gestaltete Übergänge aus der Erwerbsarbeit in selbstgewählte Formen von erfüllender Beschäftigung
    den tiefgreifenden Wandel in Funktion und Selbstverständnis von Freiwilligendiensten, bis hin zum zeitlich begrenzten, qualifizierten „Ehrenamt“
  • die Zukunft der professionellen Humandienstleistungen („Nächstenliebe im Wettbewerb“) und deren Verhältnis zu Freiwilligendiensten
  • den Wandel der Familie und anderer Formen verlässlichen Zusammenlebens
  • die bedarfsgerechte Stadtentwicklung und die generationengerechte Planung von Wohnquartieren

Zu den besonders gefragten Gesprächs- und Projektpartnern und Impulsgebern der Akademie gehören Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte, Betriebsräte und Gewerkschaftler, Fachjournalisten und Sozialethiker.

Einzelveranstaltungen und Tagungsprojekte entwickeln sich u.a. aus dem Gespräch mit Zusammenschlüssen wie dem Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU), der „Initiative für evangelische Verantwortung in Deutschland und Mittelosteuropa“ (INITIATIVE e.V.), der Wirtschaftsgilde e.V., und den Kirchlichen Diensten in der Arbeitswelt (KDA) und anderen Seelsorgedienste wie Krankenhaus- oder Polizeiseelsorge.

Zahlreiche Anregungen verdankt der Arbeitsbereich der Zusammenarbeit mit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, dem Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland, dem Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE), der Stiftung Sozialer Protestantismus, den Dach-Verbänden der Evangelischen Erwachsenenbildung, katholischen Projektpartnern und engagierten Einzelpersonen aus Wirtschaft, Verbänden und Instituten.

In der Planung von Tagungsprojekten wird mit den jeweiligen Kooperationspartnern verabredet, welche Mittel und Methoden zum Einsatz kommen. Hintergrundgespräche dienen zur Vernetzung wichtiger Akteure in den drei Themenfeldern. Verschiedene Formate wie Tagesseminare, Abendgespräche, Vortragsveranstaltungen, Workshop-Tagungen oder Fachgespräche öffnen Räume zur Diskussion.
Auch Beiträge in online-Medien oder klassischen Printpublikationen gehören zum kommunikativen Werkzeugkasten für die Darstellung von Grundfragen und zur Kommentierung aktueller Themen.

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