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Dr. Kathrin S. Kürzinger
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Eine Frauenhand berührt mit dem Zeigefinger den Zeigerfinger einer digitalisierten Hand vor einem Weltraumbild. Bildnachweis: Collage: artworkshop: Fotos : alphaspirit-fotilia.com, Margit Korsch Collage: artworkshop: Fotos : alphaspirit-fotolia.com, Margit Korsch

Evangelische Akademie im Rheinland

Themenschwerpunkt Digitalisierung und Zukunft der Arbeit

Arbeit und Wirtschaft sind zwei gesellschaftliche Schlüsselfelder, die inhaltlich eng miteinander verbunden sind, oft auch in Wechselbeziehungen untereinander stehen. Die folgende Übersicht nennt einige Anknüpfungspunkte, die sich derzeit aus kirchlich-theologischer und aus wirtschaftsethischer Perspektive für den Bereich des menschlichen Wirtschaftens stellen.

Aktuell verändert die Digitalisierung nicht nur unsere Lebenswelt und das gesellschaftliche Zusammenleben, sondern insbesondere auch die Arbeitswelt und Wirtschaft tiefgreifend. Folgende Aspekte und Fragen spielen dabei eine Rolle:

Wandel der Berufe

In den Medien kursieren derzeit teils beängstigende Theorien zum Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen – und zwar nicht nur im produzierenden Gewerbe, wo der Einsatz von Robotern längst zum Alltag geworden ist. Zweifelsohne werden künftig vor allem Routineaufgaben von Maschinen übernommen werden und manche Berufe wird es in wenigen Jahren nicht mehr geben. Inzwischen können Künstliche Intelligenzen in Teilen bereits bessere Diagnosen als menschliche Ärzt*innen stellen, da sie weitaus mehr Daten innerhalb kürzester Zeit verarbeiten können. Sogar Musikstücke werden von Künstlichen Intelligenzen komponiert, ebenso wie Bilder gestaltet und Berichte verfasst. Die Ängste vor dem Verlust und Wandel von Berufen gilt es ernst zu nehmen. Demgegenüber haben sich die Arbeitsplätze vieler Menschen, beispielsweise in der Produktion der Autoindustrie, auch entscheidend verbessert. So können gefährliche oder eher unbeliebte Tätigkeiten künftig von Maschinen übernommen werden, sodass Menschen mehr Kapazitäten für sinnstiftende Tätigkeiten haben.

Work-Life-Balance

Oder im Blick auf unseren Arbeitsalltag: Welchen Einfluss nimmt die ständige Erreichbarkeit und Verfügbarkeit digitaler Technologien im Hosentaschenformat, also das Smartphone, auf die Work-Life-Balance oder auf gesetzliche Regelungen zum Arbeitsschutz? Bei allen Vorteilen, die die Vernetzung digitaler Technologien uns auf den ersten Blick ohne Frage bringt, müssen wir auf den zweiten Blick doch auch immer wieder danach fragen, was das mit uns macht. Wann kann ich als Mensch auch mal bewusst offline gehen? Ist es auf Dauer gesund, wenn Arbeit und Freizeit zunehmend miteinander verwoben sind und zeitlich ineinanderfließen? Erleichtert das Homeoffice tatsächlich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder steigt dadurch die Mehrfachbelastung arbeitender Eltern?

Künstliche Intelligenz

Welchen Einfluss haben die Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz und selbstlernenden Maschinen auf das Menschenbild? Welche Impulse kann die christliche Anthropologie hier geben? Interessant ist, dass z.B. Pflegeroboter stets humanoid, also menschenähnlich gestaltet sind, obwohl das von technischer Seite aus nicht notwendig wäre. Aber es soll uns als Menschen den Umgang mit solchen Robotern erleichtern. Im Zuge der Verbreitung von Sprachsteuerung wird sich auch unsere Sprache und insbesondere unsere Sprechweise maßgeblich verändern. Denjenigen, die selbst bereits Alexa, Siri oder Cortana nutzen, ist vielleicht schon aufgefallen, dass sie kaum Danke oder Bitte sagen. Kinder und Jugendliche, die heutzutage mit Sprachassistenzsystemen aufwachsen, erleben das als sprachliche Normalität, die sich letztlich auf unseren Umgang mit unseren Mitmenschen auswirken wird.

Bei den Stichworten ‚Künstliche Intelligenz‘ und ‚autonome selbstlernende Maschinen‘ stellen sich schon jetzt viele ethische Fragen. Was macht etwa den Menschen gegenüber selbstlernenden Maschinen aus? Gibt es Fähigkeiten, bei denen der Mensch Maschinen auch langfristig überlegen sein wird? Beim Thema Anthropologie und Menschenbild haben Kirche und Theologie traditionell eine hohe Expertise, die es nun in den gesellschaftlichen Diskurs einzuspielen gilt. Wer übernimmt beispielsweise die Verantwortung bei Unfällen mit autonom fahrenden Fahrzeugen? Können selbstlernende Maschinen Subjekte von Schuld und auch Vergebung sein? Es wird darum gehen, moralisch relevante Situationen bereits vorab zu identifizieren und die Algorithmen entsprechend zu programmieren. Ebenso muss nicht das technisch Mögliche und Machbare unsere Innovationen steuern, sondern die Werte, die uns als Gesellschaft wichtig sind, sollten sich auch in neuen digitalen Technologien widerspiegeln.

Bildung

Die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass Bildung einen immer höheren Stellenwert erlangt. Ebenso sind lebenslanges Lernen und die Bereitschaft zur beruflichen Weiterbildung angesichts der rasanten Weiterentwicklungen der digitalen Technologien mittlerweile in allen Berufszweigen unabdingbar geworden. Unternehmen fragen sich, welche Fähigkeiten sie im Zuge der Digitalisierung der Arbeitswelt künftig in ihrer Belegschaft brauchen und wie diese sukzessive aufgebaut werden können. Damit steigen nicht nur die Ansprüche an den und die Einzelne, sondern wir müssen uns als Gesellschaft auch Gedanken darüber machen, wie künftig die Einbindung weniger bildungsaffiner Milieus gelingen kann. Insbesondere wenn einfache Routinetätigkeiten zunehmend von Maschinen übernommen werden. Daneben geht es im Sinne eines protestantischen Bildungsverständnisses auch um eine „digital literacy“ also eine IT-Alphabetisierung und digitale Gestaltungsfähigkeit der gesamten Bevölkerung. Es reicht nicht aus, digitale Techniken nur zu nutzen, sondern es wird zunehmend wichtiger, deren Programmierung und die zugrundeliegenden Algorithmen auch zu verstehen. Denn dies ist die Voraussetzung, um sich bewusst für oder gegen eine Nutzung zu entscheiden oder noch besser, diese dann auch in einem menschlichen Sinne aktiv mit zu gestalten.

Gerechtigkeit

Des Weiteren stellen sich Fragen der Gerechtigkeit in unterschiedlichen Feldern der Wirtschaft und Arbeitswelt auf neue Weise: wie z.B. bei der Verlagerung von Produktionsarbeit in sogenannte Billiglohnländer im Zuge der Globalisierung und damit zusammenhängend unserer Verantwortung für Arbeitsbedingungen in anderen Teilen der Erde. Ein weiteres Beispiel ist die immer weitere Zergliederung von Arbeitsprozessen in eine Vielzahl kleiner Arbeitsaufträge, dem sog. Microtasking und dem damit verbundenen Crowdsourcing. Dabei werden diese kleinen Teilaufgaben nach dem Leistungsprinzip via Internet an eine große Masse verfügbarer Arbeitskräfte verteilt. Bei diesen Entwicklungen muss man auch neu nach Arbeitsrecht und insbesondere Arbeitsschutz fragen. Wächst damit z.B. ein neues sogenanntes Klick-Proletariat heran? Wie kann man hier Ausbeutung durch flankierende gesetzliche Regelungen verhindern und kann man das überhaupt? Welche Auswirkungen wird das auf unsere Sozialsysteme haben, wenn in einer digitalisierten Arbeitswelt künftig viel mehr Menschen selbstständig arbeiten und nur noch wenige abhängig beschäftigt sind? Was bedeutet diese Entwicklung außerdem für die Teilhabe der gesamten Bevölkerung und die gesellschaftliche Inklusion – auch im Arbeitsleben? Werden wir in einer solidarischen Gesellschaft leben und wie soll diese aussehen?

Weiterhin aktuell sind außerdem die geschlechtergerechte Verteilung von Haus- und Erziehungsarbeit und die nach wie vor – vor allem in Deutschland – ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen, insbesondere im Verlauf der gesamten Erwerbsbiographie. Die Ursachen liegen nicht nur in der Kindererziehungsarbeit, sondern verstärkt auch in der Pflege eigener Angehöriger. Diese Care-Arbeit wird nach wie vor vorzugsweise von Frauen erbracht. Um eine angemessene Vergütung und Anerkennung dieser Care-Arbeit, u.a. auch bei Rentenzeiten, wird derzeit noch gerungen. Außerdem sind Frauen – allen Bemühungen der letzten Jahre zum Trotz – in Leitungs- und Führungsebenen noch immer unterrepräsentiert, und zwar nicht nur in Unternehmen, sondern ebenso im öffentlichen Dienst wie auch in den Kirchen.

Nachhaltigkeit

Eine weitere Dimension, die zunehmend an Bedeutung erlangt in Arbeitswelt und Wirtschaft, ist die Nachhaltigkeit. So sind wir als Gesellschaft gefordert, unseren stetig steigenden Energiebedarf sukzessive auf erneuerbare Energien umzustellen und den damit einhergehenden Verlust und Wandel von Arbeitsplätzen mitzutragen und sozialverträglich zu gestalten. Viele Impulse zu Nachhaltigkeit kommen heute von meist jungen Gründer*innen und aus der Start-up-Szene.

All diese Aspekte und Fragen spielen in der Akademiearbeit im Themenbereich Arbeit und Wirtschaft eine Rolle und prägen den Diskurs. Mit unterschiedlichen Kooperationspartner*innen veranstaltet die Evangelische Akademie im Rheinland hierzu verschiedene Formate wie Seminare, Gesprächsrunden, Vortragsveranstaltungen, Workshops oder auch Webinare oder Barcamps. Daneben gilt es auch die öffentlichen Diskurse in den Medien, in Publikationen sowie im Netz zu begleiten und eine christliche Stimme auf Social Media einzuspielen. Beim Erkunden des Phänomens der Digitalisierung von Arbeitswelt und Wirtschaft geht es aus christlicher Sicht darum, den Menschen als soziales Wesen im Blick zu behalten und die Debatten in Resonanz zu christlich fundierten Werten zu bringen.

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Kathrin S. Kürzinger / 17.05.2019



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