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Professor Dr. Traugott Jähnichen, Bochum

Eng verbunden: Sozialer Protestantismus und Soziale Marktwirtschaft

Vorlesen

Welche Anstöße kann der Protestantismus geben, wenn es gilt, die Soziale Marktwirtschaft zukunftsfest zu machen? Mit dieser Frage setzte sich die Tagung "Gezähmte Märkte und verantwortete Freiheit" am 25./26. Januar 2011 auseinander.

Wie die evangelische Kirche sich selber als "semper reformanda", also als eine in einem fortwährenden Erneuerungsprozess begriffene Institution versteht, so wurde auch die Soziale Marktwirtschaft von ihren ganz überwiegend protestantischen Begründern als sich selbst reformierender Wirtschaftsstil konzipiert. Welche gesellschaftspolitischen und ordnungspolischen Grundentscheidungen lagen dabei zugrunde?

Der Bochumer Sozialethiker Professor Dr. Traugott Jähnichen, einer der Referenten der Tagung, gibt in einem 2010 erschienenen Aufsatz Auskunft darüber:

Das wirtschaftsethische Profil des sozialen Protestantismus: 
Zu den gesellschafts- und ordnungspolitischen Grundentscheidungen der Sozialen Marktwirtschaft

Dieser Aufsatz ist am Schluss dieses Artikels zum Nachlesen und kostenlosen Abruf bereit gestellt.

Die vorangestellten Auszüge informieren bereits über einige Grundlinien des Aufsatzes:

Aus der Einleitung

Über die Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft wird in vielerlei Hinsicht gestritten: Sie wird als Ausdruck einer liberalen Haltung in klarer Distanz und sogar im Widerstand gegen die NS-Diktatur gewürdigt, was Wider­spruch hervorgerufen hat. Ihre Herkunftstraditionen werden vorrangig im deutschen Protestantismus gesehen, aber auch vom Katholizismus re­klamiert und in Übereinstimmung mit der katholischen Soziallehre inter­pretiert oder als konfessioneller Kompromiss in der frühen Bundesrepu­blik verstanden, wobei durchaus die »protestantische Tiefengrammatik des Ordoliberalismus« hervorgehoben wird. Schließlich ist ihre Gegen­wartsrelevanz höchst umstritten, recht unterschiedliche Politikkonzeptio­nen berufen sich zustimmend auf dieses Modell, das von einzelnen Ökonomen und Sozialethikern insbesondere auf Grund der Nähe zu wirt­schaftsliberalen Traditionen problematisiert wird.

In diesem Beitrag wird versucht, zu diesen Fragen argumentativ Stellung zu beziehen: Die Soziale Marktwirtschaft ist von ökonomischen und ethischen Grundentscheidungen geprägt, die sich wesentlich auf protestantische Traditionen zurückführen lassen und die historisch in widerständigen Gruppen gegen den Nationalsozialismus zu verorten sind. Der Begriff »So­ziale Marktwirtschaft«, von Ludwig Erhard, eine Wortprägung Alfred Müller-Armacks aufnehmend, zur Kennzeichnung seiner Wirtschaftspolitik verwandt, ist allerdings vieldeutig: Dies gilt sowohl für die theoretische Konzeption – etwa im Blick auf die ordoliberalen Vorstellungen der Freiburger einerseits und auf die von Müller-Armack vertretene aktive Wirt­schaftspolitik andererseits – und mehr noch hinsichtlich der wirtschafts­- und sozialpolitischen Praxis in der Bundesrepublik.

Insofern ist grundlegend zwischen dem theoretischen Modell und der realen Wirtschafts- ­und Sozialentwicklung in der Bundesrepublik zu unterscheiden, obwohl beides häufig als »Soziale Marktwirtschaft« bezeichnet wird. In den folgenden Ausführungen wird vorrangig das theoretische Modell diskutiert, dessen »hartem Kern«, wie argumentativ zu erweisen ist, ungeachtet der angesprochenen Differenzen eine protestantisch identifizierbare Position zu Grunde liegt, der nach wie vor eine orientierende Bedeutung für die evangelische Wirtschaftsethik zukommt.

Zusammenfassung

Die Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft ist eine evolutiv offene Ord­nung, die sich als eine Verknüpfung von wirtschaftsliberalen, konservativ­ordnungspolitischen und sozialstaatlichen Motiven rekonstruieren lässt. In diesem Sinn hat Müller-Armack den »irenischen« Charakter der Konzepti­on hervorgehoben, welche die Perspektiven der konfessionellen Sozialethi­ken ebenso wie liberale und freiheitlich-sozialistische Anliegen verbindet. Die Sicherung der individuellen Freiheit – nicht nur, aber wesentlich auch im wirtschaftlichen Handeln – ist Ausgangs-und Zielpunkt des Modells. Eine Korrektur des klassischen Wirtschaftsliberalismus erfolgt in der letzt­lich theologisch begründeten Absage gegen die Annahme der prästabilisier­ten Harmonie und damit gegen die Vorstellung sich selbst regulierender Märkte. Aus diesem Grund ist das ordnungspolitische Handeln des Staates notwendig, was neben der Setzung und Garantie der Rahmenordnung auch interventionistische Maßnahmen (Markt-und Struktur-bzw. Sozialpolitik) erfordert. Der wirtschaftspolitische Interventionismus ist jedoch streng auf Maßnahmen im Einklang mit der Marktordnung zu begrenzen. Dies gilt eingeschränkt auch für die Sozialordnung, weshalb Anreizmechanismen und präventive Elemente in der Sozialpolitik – wie von Lohmann bereits in den 1880er Jahren gefordert – gegenüber einem rein umverteilenden So­zialstaat als Garant des materiellen Wohlergehens – so die originäre Inten­tion Bismarcks – vorzuziehen sind.

Sowohl die liberalen wie die ordnungspolitischen und sozialstaatlichen Motive verdanken sich – wenn auch nicht im Sinn eines Alleinstellungs­merkmals – genuin protestantischen Traditionen. Insofern ist nicht allein im Blick auf den biographischen Hintergrund der entscheidenden Theo­retiker und Akteure, sondern auch in einem sachlichen Sinn von den »pro­testantischen Wurzeln« der Sozialen Marktwirtschaft zu sprechen. Die Be­gründer der Sozialen Marktwirtschaft haben in bewusster Reflektion ihres protestantischen Hintergrundes großen Wert darauf gelegt, dass es sich nicht um eine konfessionell einseitig festgelegte Konzeption handelt, gleich­wohl haben sie deren normative Grundlagen und deren Anschlussfähigkeit für eine bewusst christliche Lebensführung betont.

zum Weiterlesen

Der vollständige Aufsatz ist am Schluss dieses Artikels zum kostenlosen Download bereit gestellt.

Er ist 2010 im Jahrbuch Sozialer Protestantismus, Band 4: Zauberformel Soziale Marktwirtschaft, erschienen. Herausgeber: Heinrich Bedform-Strohm, Traugott Jähnichen, Hans-Richard Reuter, Sigrid Reihs und Gerhard Wegner im Auftrag der Stiftung Sozialer Protestantismus, des Bundesvorstandes des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt und des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Gütersloh, Gütersloher Verlagshaus

Die Bereitstellung des Aufsatzes erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Verlages.

über den Autor

Professor Dr. Traugott Jähnichen
Studium der Evangelischen Theologie und Wirtschaftswissenschaften. Seit 1998 Lehrstuhlinhaber für Christliche Gesellschaftslehre an der Ruhr-Universität Bochum. Mitglied der Kammer für Soziale Ordnung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Mitautor der Unternehmerdenkschrift von 2008.

 

 

 

 

 

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hbl / 26.01.2011



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