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Dr. Kathrin S. Kürzinger
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Tagung beleuchtet Spielräume für eine christliche Unternehmensführung

Nächstenliebe versus Gewinnoptimierung

Christliche Unternehmer diskutierten auf einer Tagung der Evangelischen Akademie im Rheinland über Wertekonflikte in der Unternehmensführung und mögliche Lösungen.

Blick in die Podiumsdiskussion. Foto: Stefan Knopp LupeBlick in die Podiumsdiskussion. Foto: Stefan Knopp

„Der Ehrliche ist immer der Dumme“: So mancher der Unternehmer, die am Samstag der Einladung der Evangelischen Akademie im Rheinland zur Tagung nach Bonn-Bad Godesberg gefolgt waren, hat diese Erfahrung schon gemacht. Denn sie bemühen sich, ihre Firmen und Betriebe nach christlichen Werten zu leiten. Im Falle einer Teilnehmerin ging es darum, dass sie Kundendaten nicht an mögliche Auftraggeber weitergeben wollte. Diese Ehrlichkeit habe sie schon einige Aufträge gekostet, sagte sie bei der zentralen Podiumsdiskussion.

Gelegenheit zum Austausch im Plenum und in Workshops
„Christliche Unternehmensführung – können wir (uns) das leisten?“ lautete das Thema der Tagung, die die Akademie zusammen mit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL), der INITIATIVE für evangelische Verantwortung in der Wirtschaft Mittel- und Osteuropas und dem Amt für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste (gmd) der evangelischen Kirche im Rheinland durchführte. Nach einem heiteren Einstieg ins Thema durch Martin Kaminski vom gmd wurde dieses Thema nachmittags in verschiedenen Workshops von allen Seiten beleuchtet. Vorher moderierte Pfarrerin Barbara Montag von der Stabsstelle Diakonie RWL die Posiumsdiskussion zum Umgang mit Wertekonflikten.

Podiumsdiskussion zum Umgang mit Wertekonflikten
Dazu hatte sie Gesprächspartner aus verschiedenen Bereichen eingeladen:

  • Aus Unternehmersicht
    Die Unternehmerseite war durch den Unternehmensberater Detlef Koenig und INITIATIVE-Mitglied Hans-Heinrich Imholze vertreten. Letzterer hat einen Agrarbetrieb in Thüringen aufgebaut, bezahlt seinen Angestellten West-Löhne und hat nebenbei das evangelische Kirchengebäude im Ort saniert.
  • Aus Sicht der Diakonie
    Als Vertreter diakonischer Einrichtungen waren Pfarrer Hans-Wilhelm Fricke-Hein, Direktor und Theologischer Vorstand des Neukirchener Erziehungsvereins, und Pfarrer Falk Schöller, Vorstand der Graf  Recke Stiftung in Düsseldorf gekommen.
  • Aus Sicht der Wirtschaftswissenschaften
    Außerdem diskutierte Professor Dr. Martin Büscher vom Institut für Diakoniewissenschaft und Diakonie-Management (IDM) in Bielefeld mit.

König: Mit den Menschen auf der Basis des christlichen Glaubens umgehen
Man sollte sich in der Geschäftswelt offen zum Christsein bekennen, riet Koenig. Das sei die Basis für die Kommunikation mit Kunden und Mitarbeitern. „Es ist eine tägliche Herausforderung, mit anderen Menschen klar zu kommen auf der Basis unseres christlichen Glaubens, und es ist eine Frage, wie wir Nächstenliebe täglich praktizieren und wie wir mit Menschen umgehen.“ Für ihn bedeute das, angemessen mit ihnen zu sprechen und bei Konflikten „im Gespräch Wege der Lösung zu finden“.

Imholze: Christliche Werte und Erfolg gehören zum unternehmerischen Handeln
Imholze praktiziert das: Er sei immer zum Gespräch mit seinen Mitarbeitern bereit. „Das ist mein Grundsatz von Unternehmensführung.“ Dabei solle man aber nicht vergessen, dass unternehmerischer Erfolg ohne Wachstum nicht möglich sei. „Wir haben zu beklagen, dass die Kirche auch eine Abkehr vom Fetisch Wachstum propagiert“, kritisierte er Ansichten des früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirchen in Deutschland Nikolaus Schneider.

Fricke-Hein: Auch diakonische Einrichtungen sind Wirtschaftsunternehmen -
aber nicht um jeden Preis

Auch diakonische Einrichtungen seien Wirtschaftsunternehmen, sagte Fricke-Hein. Das kluge Haushalten sei schon in der Bibel empfohlen und deshalb eine christliche Verpflichtung – allerdings nicht um jeden Preis. Man brauche christliche Werte. „Wir müssen sie uns leisten. Das ist kein Luxus.“ Und das dürfe sich nicht nur auf die beschränken, die die Hilfe der diakonischen Einrichtungen in Anspruch nehmen, sondern auch die Mitarbeiter. „Es ist unsere Aufgabe, denen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie wirklich ihre Leistung bringen können.“ Dabei müsse man eine Form von Konfliktlösung ausüben, „die von Fairness, Achtung und Achtsamkeit geprägt ist“, meinte Schöller.

Das Etikett "christlich geführt" muss im Alltag gelebt und sichtbar gemacht werden
Ein Unternehmen mit dem Etikett „christlich geführt“ müsse sich auch fragen, was das gegenüber anderen ausmacht, sagte Koenig. Mit seinem Beispiel eckte er bei einigen Zuhörern an: „Die Freundlichkeit im evangelischen Krankenhaus kommt idealer Weise aus dem Herzen, die Freundlichkeit in einem privat geführten Krankenhaus kommt von Power-Point-Folien.“ Gemeint war, welche Botschaft man nach außen transportiert: In einer evangelischen Einrichtung könne das die praktizierte Nächstenliebe sein. Die könne aber genauso von Nicht-Christen wie von Christen kommen, warf Fricke-Hein ein: Eine klare Trennlinie gebe es da nicht mehr.

Ebenso muss die Frage gestellt werden, was Kunden von einer christlichen Einrichtung erwarten
Man müsse sich auch die Frage stellen, was die Kunden von einer Einrichtung wie zum Beispiel einem evangelischen Altenpflegeheim erwarten, sagte eine Teilnehmerin aus dem Plenum. In Leipzig mit etwa 20 Prozent Christenanteil, darunter zwölf Prozent lutherische Protestanten, habe man Kunden und Mitarbeiter, die der Kirche nicht angehören. Es sei ein Spagat, die in den christlichen Kontext mitzunehmen und gleichzeitig in einer teils „antichristlich“ geprägten Stadt zu überleben.

Wie viel christliches Profil darf und soll es sein?
Für Koenig war klar, dass die Marke „Evangelisch“ das Unterscheidungsmerkmal sein solle. „Wie viel christliches Profil darf und soll es denn sein?“, hielt Schöller dagegen. Man müsse auch an die Menschen denken, die man sich nicht als Kunden aussuche, etwa Flüchtlinge aus nicht christlichen Ländern. Das mache in der Diakoniearbeit vorsichtig.

Ein zentrales Konfliktfeld:
Christliche Unternehmen müssen wettbewerbsfähig mit anderen Anbietern sein

Auch über das Problem des Konkurrenzkampfes wurde gesprochen. Da bestehe der Konflikt, dass der, der seine Mitarbeiter fair bezahlt und dafür eine teurere Leistung anbietet, oft an günstigeren Mitbietern scheitere. Da brauche man einen Schuss Pragmatismus, war Koenig überzeugt: Man müsse mit dem christlichen Unternehmer verhandeln und über Möglichkeiten des Vergaberechts reflektieren. Dabei schwang mit, dass man auch zwei Parteien braucht, die bereit sein müssten, aufeinander zuzugehen und grundsätzlich den Weg des fairen Arbeitens der billigen Schwarzarbeit und dem Druck auf Subunternehmer vorzuziehen.

Büscher: Christliche Unternehmensführung ist nichts für Angsthasen
Der Diakonie- und Wirtschaftswissenschaftler Büscher resümierte zum Schluss über Werte und Christlichkeit. Auch wenn der Leistungsgedanke und das Übernehmen von Verantwortung „urprotestantisch“ seien, solle man im Übrigen Nicht-Christen nicht absprechen, auch Hilfsbereit, altruistisch und zur Nächstenliebe bereit zu sein. „Die vermeintlich eindeutige Etikette von Christentum stimmt auch nicht immer.“ Werte könne man auch managen, indem man Alltagsfragen Raum gibt: Man müsse über chronische Überbelastung, Nichtidentifikation mit der Arbeit und andere Probleme mit Mitarbeitern sprechen können. „Das schafft Gemeinschaft und Nähe.“ Das motiviere die Menschen. Dafür müsse man sowohl analytisch als auch gestalterisch arbeiten können – keine leichte Aufgabe. „Christliche Unternehmensführung ist nichts für Angsthasen.“

Landespfarrer Peter Mörbel und die Mitveranstalter zogen positives Resümee der Tagung:
Mit dem Verlauf der Veranstaltung und der Bereitschaft der Teilnehmer zur Diskussion waren  Tagungsleiter Landespfarrer Peter Mörbel ebenso wie seine Mitveranstalter sehr zufrieden.

Peter Mörbel:
"Die große Herausforderung für christliche Unternehmensführung liegt in der Zusammenführung von Idealismus und Realität"

Mörbel stimmte mit den Referenten darin überein, dass die große Herausforderung für die christliche Unternehmensführung in der Zusammenführung von Idealismus und Realität liegt. Das sei ein Spagat zwischen menschengerechtem Arbeiten einerseits und betriebswirtschaftlichem Erfolg andererseits. Gewinnorientierung sei nicht zwangsläufig schlecht, so der Studienleiter der Evangelischen Akademie im Rheinland. „Nicht dass man Gewinn macht, sondern wie man mit Gewinn umgeht, ist dann die ethische, die christliche Frage.“

Barbara Montag:
"Christliche Unternehmensführung können - ja müssen - wir uns leisten!"

Barbara Montag von der Diakonie RWL unterstrich, dass der interdisziplinärer Austausch gut tue und geradezu notwendig sei - dies habe sehr eindrücklich die gemeinsam verantwortete Tagung gezeigt . "Christliche Unternehmensführung können - ja müssen - wir uns leisten! Aus unterschiedlichen Sichtweisen, der Theologie, der Ökonomie und der Soziologe wurde komplexe Verantwortung aufgeschlüsselt und leidenschaftlich diskutiert", sagte sie zum Abschluss der Tagung.

Kerstin Schmitz-Mohr, Regionalsprecherin Initiative e.V., Rheinland-Nord
"Christliche Unternehmensführung muss immer wieder neu in den betrieblichen Alltag übersetzt werden"
Wer sich als Selbstständiger und Unternehmer auf die Fahne schreibt, sich an christlichen Werten zu orientieren und sein Handeln danach auszurichten, steht täglich vor der Herausforderung, diesem Anspruch gerecht zu werden. Die Diskussionen im Rahmen der Tagung und vor allem während der Workshops zeigten, so Kerstin Schmitz-Mohr, wie schwierig dies manchmal ist: "Gerade im Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, aber auch mit Kunden und Geschäftspartnern zeigt sich, wie weit auseinander zum Teil Anspruch und Realität liegen. Hier gilt es, sich als Unternehmer immer wieder zu erinnern, welche Werte einem wirklich wichtig sind und diese dann konsequent (vor-) zu leben."

Christoph Nötzel, gmd:
"An der konkreten Praxis christlicher Unternehmensführung entscheidet  sich wesentlich, wie Menschen diakonische, aber privatwirtschaftliche Einrichtungen und Dienste erleben"
  
Christoph Nötzel erläuterte am Beispiel des Barmherzigen Samariters, dass christliche Werte sich im persönlichen Verhalten ausdrücken. Strukturen können Handlungsspielräume verschaffen, aber sie können den Einzelnen nicht davon entlasten, dem gerecht zu werden, was in der konkreten Begegnung jetzt von ihm gefordert ist. Christliche Führungsverantwortung stiftet solche Freiräume, die es Menschen erlauben, dem gerecht zu werden, was jetzt dran ist. Wieweit das gelingt, daran entscheidet sich wesentlich, wie Menschen diakonische, aber auch privatwirtschaftliche Einrichtungen und Dienste erleben.

Veröffentlichung zum Thema erscheint im April 2015
Mit der Veröffentlichung "Dehnübungen - Geistliche Leitung in der Diakonie zwischen wirtschaftlichen Erfordernissen und geistlichem Anspruch" der Diakonie RWL (erhältlich ab April 2015) wird der fachübergreifende Austausch fortgesetzt.

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Stefan Knopp / 16.03.2015



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